an andere oder über andere denken

Diese Zeit ist dazu angetan, an andere zu denken, wenn wir uns nicht treffen können – ja nicht treffen dürfen und gerade einmal nicht miteinander telefonieren können oder wollen. Das ist gut so. Das ist völlig okay so. An andere zu denken heißt für mich oft, in den Himmel zu schauen – sogar mich bisweilen zu justieren per Kompass – und einen innigen Gruß mit Wünschen zu schicken. Mich an vergangene Begegnungen zu erinnern und mir zukünftige auszumalen. 
Es gibt aber auch das Denken über andere – nicht selten mit Wertung, mit Irritation. Das bindet. Das Verbindende in der Beziehung rückt in den Hintergrund und fesselt die Energie. Vorgestern war so ein Moment und gestern Früh tauchte er prompt erneut auf: zwei Menschen, zwei sich grundlegend widersprechende Erzählungen. Einer von beiden sagt mir nicht die Wahrheit. Ja lügt. Wer erzählt hier nicht die Wahrheit? Und noch wichtiger: Wozu? Mit welcher Absicht? Oder erinnert einer falsch oder hat die andere es in dem Moment wohlmöglich vergessen? Wie damit umgehen? Nachfragen? Konfrontieren? Mit welcher Haltung? Heute? Später? Nie? Welche Rolle wird mir hier zugedacht in diesem Spiel? Noch konkreter: Welche Rolle spiele ich in dieser Beziehung? Oder noch anders: Welche Rolle spielt diese Beziehung der beiden untereinander für mich? Mehr als 240 Wörter und in einer Dreiviertelstunde sicher mehr als tausend Gedanken hab‘ ich mir selbst angetan und gebunden. Zwar bin ich noch nicht um eine Antwort reicher, aber um eine Haltung: Hätte ich doch lieber an jemand gedacht

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