Der stille Ort

Immer wieder gibt es Phasen im Leben, da schreit alles in einem vermeintlich nach Sicherheit. Wirklich Sicherheit? Geht es nicht viel eher um Halt und Geborgenheit, um Einfachheit und Bedingungslosigkeit? Gestern ging es mit einer Freundin genau um diesen feinen, regelrecht einschneidenden Unterschied… 
Meinen wir, wenn wir uns einsam und alleine, verloren und verlassen fühlen – so von Grund auf – wirklich Sicherheit? Ich meine nicht. Wir suchen Halt und finden keinen. Nicht in uns. Nicht bei anderen. Auch nicht bei solchen, die ihre stützende Hand, ihr offenes Ohr, ihr zuhörendes Herz anbieten. Halt ist nicht delegierbar. Definitiv nicht. In solchen Momenten scheint nichts und niemand richtig; überhaupt scheint alles am falschen Ort, zur falschen Zeit, wohlmöglich sogar im falschen Körper zu sein. Fremd. Unnahbar. Begleitet von Ängsten: Vor Rührung wie vor Langeweile, vor Lautlosigkeit und Lärm, vor Starre und Leere genauso wie vor Unruhe und Geschwindigkeit. Aber was hat dies ausgelöst? Was ist es genau? 
Was mich gerade nicht loslässt ist das Wort „Halt“. Hat da etwa in uns nicht „Halt!“ gesagt, sodass es haltlos wurde? Grenzenlos. Grenzverletzend. Mit Sicherheit auch. Das ist ja genau das Faszinierende, wenn man es geschafft hat, sich wieder raus- und reinzudrehen, selbst umzuschauen und auf den Tag, der vor einem liegt und man eine leise Ahnung hat, wie er gestaltbar werden und sich stimmig formen könnte – selbst wenn es unsicher begleitet ist, was das wohl bedeuten mag. 
Inwendig fündig werden und die Sorge aushalten, dass man auf dem Boden landet. Unsanft und schmerzhaft, dafür aber eindeutig. Pur. Klar. Ohne Ausreden und Ablenkung. Ohne Entschuldigung und Selbstmitleid. Weder Schuld noch Scham verdecken das Grundgefühl: Ja, ich fühle mich alleine – auch wenn alle Fakten da draußen einem etwas anderes weis machen wollen. Durchlässig werden und sich ungefiltert vorwagen zum Kind, das gleichzeitig etwas aufholen möchte, was noch nie da war, etwas in Anspruch nehmen möchte, was ihm jedoch vor Urzeiten zustand. Das ist rum ums Eck.
Ja, die gewohnte – gerade mal aufgebrochene Sicherheit weiter aufbrechen, um Halt zu finden. Hierin zeigt sich der wesentliche Unterschied zwischen Bedürfnissen, die durchaus legitim sind und die jetzt unausweichlich anstehen, aber schwer einzugestehen, und einer Bedürftigkeit, die offen bleibt. Ja, offenbleiben sollte. Denn das ist genau die Schnittstelle, die noch mehr wehtun wird, indem man versucht ist, es wieder und wieder erfolglos zu delegieren, andere wie sich selbst erneut zu verwunden, abermals überflüssig verletzende Runden zu drehen, und unweigerlich wiederholt sich die alte Geschichte erneut. 
Und trotz alledem ist da unwiderruflich auch ein anderes Gefühl: Ja, es gibt diesen einen Ort, innewohnend, unkaputtbar, der einfach nur da ist. Der still ist. Der verbunden ist mit einer Quelle. Ursprünglich. Bedingungslos. An diesem Ort weiß man genau, was es jetzt braucht: Selbstfürsorge. 

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